KI und der Datenschutz – ein zweischneidiges Schwert

Warum vertrauen wir KI teilweise mehr als Webseiten?

Von der DSGVO zur KI – ein überraschender Wandel

Es ist erst wenige Jahre her, als die Datenschutzgrundverordnung DSGVO und Kraft getreten ist mit dem Ziel, unser aller personliche Daten, deren Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe in geregelte Daten zu bringen. Künftig mussten wir jeder Webseite explizit erlauben, unsere IP Adresse zu speichern oder unseren Besuch der Webseite per Statistik-Tool erfassen zu dürfen. Das Ergebnis war nicht nur eine Flut von Abmahn-Versuchen dubioser Anwalts-Kanzleien sondern auch fast schon eine Paranoia bei uns allen, dass es furchtbare Folgen haben könnte, wenn man irgendwo auf einer Webseite die eigene E-Mail Adresse angeben musste, denn diese könnte ja irgendwie missbräuchlich verwendet werden.

Und jetzt, wenige Jahre später, erlauben wir irgend einer KI, von der niemand so genau weiß, wie sie eigentlich funktioniert, den vollen Zugriff auf unser E-Mail Postfach. Wir erlauben CoPilot unsere Mails zu lesen, vertrauen ChatGPT persönliche Probleme in der Hoffnung auf hilfreiche Antworten an und lassen Gemini alles sehen, was unsere Smartphone Kamera in den Sucher bekommt. Und das auch noch unmittelbar uns direkt zu uns selber als Person zurückverfolgbar, keiner öminösen IP Adresse, keinem vielleicht anonymen Postfach, sondern direkt zu uns persönlich.

Warum wir KI so bereitwillig vertrauen

Nun sollte man eigentlich denken, dass bei all dem, was man KI anvertrauen kann, bei uns die Alarmglocken angehen sollten und wir sehr genau überlegen sollten, was man den diversen KI Tools anvertraut. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir freuen uns, wenn wir unserem „persönlichen KI Assistenten“ eine Frage stellen, und der schon genau weiß, wann wir in Urlaub fliegen, was wir auf dem Einkaufszettel haben, wann der nächste Arzttermin ist und wieviel Grad es im Moment zuhause im Wohnzimmer ist.

Zwischen Komfort und Datenbewusstsein

Ich spreche mich da garnicht von frei, auch ich nutze KI im privaten und beruflichen Kontext. Auch ich stelle einer KI z. B. Mails oder Texte zur Verfügung, um sie mir zusammenfassen zu lassen. Auch ich lasse die KI jedes einzelne meiner Urlaubsfotos optisch verbessern. Und ja, auch ich stelle möglicherweise einer KI Fragen, die ich vielleicht besser meinem Arzt stellen sollte. Allerdings tue ich das nicht inflationär sondern bei ausgewählten KI Tools von namhaften Herstellern, deren Produkte ich schon seit Jahrzehnten benutze und die vermutlich schon vor dem KI Hype fast alles (relevante) über mich wussten.

Dem besagten KI Hype ist es nämlich zu verdanken, dass aktuell gefühlt jeden Tag neue KI Tools auf den Markt kommen, die noch schneller, noch bessere, noch tollere Ergebnisse versprechen. Und natürlich ist man daher versucht, diese (anfangs meistens kostenlose) Tools auszuprobieren. Und man verfällt schnell wieder in die gedankenlosen Schritte etwas hochzuladen oder zu fragen, was vielleicht viel mehr über uns persönlich preis gibt, als wir uns bewusst sind.

Das Gespräch mit der KI ist keine private Unterhaltung

Apropos fragen, allein schon die Tatsache, das sich die Interaktion mit den meisten KI Tools wie in einem Gespräch anfühlt, scheint unsere Hemmschwelle bzgl. unserer persönlichen Daten deutlich runterzusetzen. Denn schließlich redet man ja mit dem „persönlichen Assistenten“ und lädt nicht z. B. auf irgend einer Webseite etwas mit einem ominösen Formular hoch. Und dann ist das, was man da hochgeladen hat, für immer im Internet und ausserhalb der eigenen Kontrolle.

Aber davon sollten wir uns nicht täuschen lassen. Der nette Plausch mit ChatGPT ändert nichts daran, dass alles, was wir dort preis geben, von der KI gespeichert und mit uns verknüpft bleibt. Das CoPilot mit freundlich daran erinnert, die Rechnung von Max Mustermann zu bezahlen, ändert nichts daran, dass damit Microsoft evtl. weiß, dass ich mit Max Mustermann Geschäfte mache.

KI bewusst nutzen statt blind vertrauen

Die KI ist da und sie wird aus unserem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken sein. Aber all die bequemen Vorteile und neuen Möglichkeiten, die KI uns bietet, sollte uns nicht eine gesunde Skepsis und bewussten Umgang mit unseren eigenen Daten nehmen. Ob nun KI oder vor zehn Jahren irgend welche Webseite … unsere persönlichen Daten und Informtionen sollten das bleiben, was sie sind, nämlich persönlich. Und nur wir persönlich entscheiden darüber, wem und wo wir sie zur Verfügung stellen.

Beitrag von HeiReS Mitarbeiter Armin Reuter – kann ggf. invididuelle Meinung enthalten

Frau spricht mit einer KI und vertraut ihr wichtige persönlich Daten an