CDUdigital am 12.09.2015 im Tempodrom, Berlin

14. September 2015
Peggy

Die CDU und insbesondere die erste Vorsitzende haben zur offenen CDU-Konferenz unter dem Motto „Digitalisierung“ eingeladen. Nachdem der Kanzlerin der Ausspruch „Das Internet ist immer noch Neuland für uns“ lange Zeit anhaftete, ist das ein schönes Zeichen.

Peggy war am 12.09.2015 in Berlin im Tempodrom dabei und berichtet. Neben der Chance, den Beiträgen zum Motto Digitalisierung zu lauschen und der Kanzlerin recht nah zu sein (Reihe 10), hatte Peggy auch auf Einladung der CDU die Gelegenheit, dass Welcome-App-Concept im Rahmen einer Panel-Diskussion vorzustellen sowie Rede und Antwort zu stehen.

In fünf Sessions dreht sich alles rund um CDUdigital und somit das Motto Digitalisierung. Herr Dr. Peter Tauber (MdB und Generalsekretär der CDU Deutschlands) umriss das Thema „CDU reloaded – Parteiarbeit digital!“. Dabei hielt er fest, dass die CDU neben klassischen Wegen mehr neue Kommunikationskanäle braucht. Man muss sich die Fragen stellen, wie man die Mitglieder wirklich erreicht und was eine CDU-App leisten müsste. Als sinnvoll hat er herausgestellt, wenn man sich nicht so sehr auf lokales Engagement reduziert und stattdessen von Erfahrungen anderer profitieren würde. Die CDU hat mit 450.000 Mitglieder die höchste Mitgliederzahl Deutschland, aber digital keine annähernde Reichweite.

Da Peggy selber als Teilnehmerin der Panel-Diskussion „Digitales Engagement – klicken, spenden, handeln“ dabei war, kann sie ausführlich darüber berichten. Dort wurden von den jeweiligen Verantwortlichen Projekte vorgestellt, die digitales und lebensnahes Engagement im Rahmen der Flüchtlingskrise abbilden. Die vertretenen Projekte bzw. Personen waren: Martin Patzelt (Mitglied des Bundestages) nahm zwei eritreische Flüchtlinge bei sich zuhause auf und berichtete über seine Erfahrungen auf www.bundestag.de. Matthias Novak (Malteser Hilfsdienst gGmbH) erzählt vom wirksamen Einsatz der Facebook-Plattform bei der Organisation ehrenamtlicher Helfer und Spenden in Berlin. www.malteser-berlin.de Wolfgang Pellnitz (Die Johanniter) berichtet von der Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen und inwieweit dabei soziale Netzwerke eine Rolle spielen. www.johanniter.de/rv-berlin Peggy Reuter-Heinrich (HeiReS) präsentierte das Welcome-App-Concept – eine Orientierungshilfe-App für Flüchtlinge am Beispiel der Stadt Dresden. www.welcome-app-concept.de Gefolgt wurde die Projektvorstellung von einem intensiven Dialog mit dem Publikum. Themen waren dabei Wirtschaft und Freiwillige involvieren, sowie Asylsuchende und Arbeitsmarkt. Im Fazit zeigte sich, dass digitale Kommunikationen die Effizienz der Lösung unserer Herausforderung auch im Kontext der Flüchtlingsproblematik gut unterstützen.

Weitere Themen waren: – Deutschland 2020 – wie leben wir digital? – Startup City Berlin – Zugehörigkeit, Nähe, Einsamkeit, Angst – Zwischenmenschliche Kontakte im digitalen Raum.

Bei der Zusammenfassung der Sessions und Diskussionspanel durch diverse CDU-Vertreter in der großen Arena des Tempodroms war die Kanzlerin zugegen und mit vollster Aufmerksamkeit in der ersten Reihe dabei. Charmanter Weise war der Rahmen doch eher überschaubar, so dass man fast sicher sein darf, dass die vorgestellten Themenfelder auch angekommen sind.

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Rede von der Kanzlerin Frau Dr. Angela Merkel als 1. Parteivorsitzende. Peggy war sehr beeindruckt von Merkels geradem Auftreten und Ihrer Nahbarkeit.

Das Startthema, aber charmanter Weise nicht das Hauptthema, der Rede war die Flüchtlingssituation in Europa. Hier verwies Frau Merkel auch deutlich auf eine Verantwortung der Europäischen Union. Der Schutz der Außengrenzen Europas muss gewährlistet werden. Dabei ist die fehlende Staatlichkeit von Libyen ein Problem sowie die ungeschützte Grenze zwischen Griechenland und der Türkei. In Hinblick auf Wirtschaftsflüchtlinge machte Merkel deutlich, dass diese keine Bleibe-Persektive haben werden. Auch die Ursachen der Flüchtlingskrise müssten beseitigt werden, aber das könne man nur gemeinsam in internationaler Zusammenarbeit schaffen – sowohl mit den USA als auch Russland. Merkel ermahnte, dass wir flexibler werden und uns gegenseitig unterstützen müssen. Es galt unserer Verantwortung und unseren Werten gerecht zu werden, aber das geht nur gemeinsam und international.

Der anberaumte CDUdigital-Kongress sei wichtig zur Zukunftssicherung der CDU, so Merkel. Alle Mitglieder müssten digital mitziehen und z. B. Emails auch öffnen. Wer heute nicht hier sei, hätte das anscheinend nicht getan. (Peggy findet: Manchmal ist Frau Merkel richtig witzig.) Frau Merkel warf deutlich die Fragestellung auf, wie die Bundesrepublik zum digitalen Wachstumsland in Europa und macht deutlich, dass andere Länder hier weiter seien. Das Thema Industrie 4.0 sei als Wertschöpfung für Deutschland ein großes Thema, aber auch Stärkung des Mittelstandes – grundlegend sowie im digitalen Kontext. Frau Merkel selbst hab sich stark über die Themenfelder informiert und z. B. Siemens und VW-Werke besucht. Diese existieren schon virtuell parallel, um daraus Dinge in die Realität zu überführen. Aber nicht nur die Großen sollen hier agieren, sondern auch insbesondere der Mittelstand wie z. B. der Autozulieferer. Für die Zusammenarbeit gäbe es schon jetzt eine gemeinsame Plattform für die digitalen Standards. Laut Merkel hat nur der ein Stück Marktführerschaft, wer die Standards hat.

Der entscheidende Punkt im Flow zwischen Kunde, Fertigung und Verkauf seien die Datenmengen. Big Data sei somit der Rohstoff der Zukunft – insbesondere für das rohstoffarme Deutschland. Das Ziel müsse eine Wertschöpfung aus den Daten sein. Der Wettlauf liegt zwischen Kundendaten und Produktdaten. Wenn wir den Anschluss versäumen würden, werde Deutschland zur verlängerten Werkbank. Daher war Frau Merkels Aufforderung, dass man diese Entwicklung verstehen müsse und ein positives Verhältnis zu „Big Data“ entwickeln solle. Dafür bedarf es der richtigen Rahmenbedingungen. Wenn wir hier schlafen, würden die digitalen Lösungen außerhalb Deutschlands erschaffen. Wenn wir also nicht schnell agieren, könne mit unseren Daten die internationale Wirtschaft digitale Lösungen schaffen. Deshalb müsse ein digitaler europäischer Standard gelten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu halten. Unser Wohlstand beruhe auf dem Export und wir sollten im Thema Digitale Lösungen ebenfalls exportieren.

Des Weiteren merkte sie an, dass Startups ein gutes Konzept für Deutschland seien. Diese müssten aber auf den Wachstumskurs unterstützt werden, damit eben diese Wertschöpfung passiert. Heute sei die Vernetzung von allen Beteiligten der beste Brutkasten für Innovationen und Wachstum. Ein gutes Beispiel wäre dabei die TU München. Es brauche aber auch Lehrstühle, die darauf eingestellt wären, um darauf reagieren können durch die Vermittlung des entsprechenden Wissens. Die Schaffung einer richtigen Basis fange aber auch schon in den Schulen an – von Bring your on Device bis zur Lehrerausbildung in der digitalen Welt. Immer wichtiger würde der Fokus auf Ausbildung, so Merkel. Wir hätten in Deutschland mittlerweile ca. 50% Studienabgänger und zu wenig „ausgebildete“ Menschen – das führe zu einer Über-Akademisierung. Aus diesem Anspruch ergäben sich einerseits neue Berufsbilder, andererseits aber auch Qualifizierungsnotwendigkeiten im Sinne von lebenslangem Lernen.

Eine Grundlage für den digitalen Erfolg sei auch die sogenannte „Netzneutralität“ so Merkel. Für die Anwendung zukünftiger Applikationen z. B. digitales Fahren oder e-Medizin bedürfe es einer stetigen Netzanbindung und damit größere Bandbereiten und konstanter Verfügbarkeit.

Durch den Vergleich mit Buchdruck, Auto, Telefon oder anderen historischen Erfindungen, erinnerte Merkel daran, dass wichtige Innovationen am Anfang immer in Frage gestellt würden. Aber schlussendlich würden die hinterfragten Dinge dann immer breitenwirksam erfolgreich.

Die Aufforderung von Merkel an die Mitglieder der CDU: „Bitte fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen. Aber interessieren Sie sich. Ich wünsche mir, dass Deutschland vorne mit dabei bei ist.“
Den Ausklang schuf Dr. Peter Tauber. Dabei warf er die Frage auf, was heute schlimmer wäre: der Verlust des Smartphones oder der Verlust des Portemonnaies. Er sagte, dass wir heute auf diese Geräte nicht mehr verzichten wollen. Daher solle auch die Häme der Flüchtlingshandys gegenüber ein Ende haben. Smartphones seien ein Teil von Freiheit in der digitalen Welt. An die CDU-Mitglieder verabschiedete er sich mit den Worten: „Bewahren Sie sich Ihre Neugier.“