9241 – Aus Usability-Sicht viel mehr als nur eine Zahl

6. November 2019
Armin

9241 … das ist für die meisten einfach nur eine vierstellige Zahl, für Usability-Experten aber tägliches Werkzeug. Hinter der ISO Norm 9241 verbirgt sich der internationale Standard für die Interaktion zwischen Menschen und Computern. Wir bei HeiReS haben uns in Entwicklung und Design darauf spezialisiert, immer die Sicht des Nutzers zu berücksichtigen. Dadurch spielt die ISO 9241 für uns eine besonders wichtige Rolle.


Quelle: YouTube

Zugegeben, beim Begriff „Mensch-Computer-Interaktion“ denkt man vielleicht schnell an Scotty aus Star Trek, der versucht in die Maus eines Computers zu sprechen und dadurch mit dem Computer zu kommunizieren. Tatsächlich verbergen sich hinter dem Begriff aber viele, sehr sinnvolle Richtlinien, wie Verwendung, Bedienung und das Interagieren mit Computern und ähnlichen Devices gestaltet sein sollten.

Konkret spielt der Teil 9241-110 der Norm für unsere Usability-Experten aber ebenso für Designer und Entwickler die wichtigste Rolle bei der Entstehung von Apps und Software spielt. Hier sind sieben Aspekte definiert, die bei korrekter Berücksichtigung für benutzerfreundliche, gut erlern- und bedienbare Lösungen sorgen.

Die sieben erwähnten – auch Dialogprinzipien genannten – Aspekte beleuchten unterschiedliche Kriterien an Software, die für den Anwender eine besonders wichtige Rolle spielen und „kritische Nutzungssituationen“ vermeiden sollen, also Punkte, an denen die Anwendung für den Nutzer schwierig oder gar unmöglich wird.

Zum Verständnis: Ein Dialog meint in diesem Zusammenhang nicht zwingend die aus der Entwicklung bekannten „Dialogfenster“. Vielmehr geht es darum, wann immer der Computer – also die Anwendung – und der Mensch mit einander in Dialog treten, also kommunizieren. Dies kann neben Fenster, Icons, Text etc. aber auch z. B. ein Wartezeit, ein notwendiger Schritt seitens des Nutzers, das User Interface als Ganzes u. Ä. sein.


Quelle/Copyright: HeiReS-Training

Hier daher mal der Versuch, die Dialogprinzipien anhand von zu stellenden Fragen verständlich zu beschreiben. Verbunden ist dies mit einer Bitte an alle, die in der Software-Branche tätig sind, diese in Zukunft einfach mal immer wieder zu hinterfragen, wenn es darum geht, Programme oder Apps entstehen zu lassen, die dann auch tatsächlich gerne genutzt werden.

  • Aufgabenangemessenheit
    Passt das UI dazu, was der Nutzer in der Anwendung machen will/muss?
    Passen Struktur, Kategorien und Workflow dazu, wie der Nutzer arbeitet und denkt?
    Sind Störfaktoren vorhanden, die den Anwender unnötig ablenken oder verwirren?
    Existieren Showstopper, die den Nutzer vollständig von der eigentlichen Aufgabe abhalten?
  • Steuerbarkeit
    Ist es dem Nutzer überlassen, wie er sich durch einzelne Arbeitsschritte bewegt?
    Erlaubt die Software es dem Nutzer, Richtung/Geschwindigkeit der Interaktionen zu bestimmen?
    Sind Stellen vorhanden, wo der Anwender unnötig in eine Richtung gedrängt wird?
    Steht es dem Nutzer frei, jederzeit (verlustfrei) Schritte vor und zurück zu machen?
  • Selbstbeschreibungsfähigkeit
    Versteht der Nutzer die Oberfläche, deren Aufteilung und welche Bereiche wofür sind?
    Sind alle Controls (Buttons, Icons, Statusindikatoren, Links etc.) als solche erkennbar?
    Ist es eindeutig, welche Controls der Anwender gerade benutzen kann und welche nicht?
  • Lernförderlichkeit
    Helfen die Oberfläche und der Inhalt dem Nutzer beim Erlernen der Verwendung?
    Steht dem Anwender eine hilfreiche Anleitung der Software schnell zur Verfügung?
    Existieren aussagekräftige und hilfreiche Tooltipps zu Controls und deren Verwendung?
  • Individualisierbarkeit
    Kann der Nutzer die Oberfläche an seinen individuellen Bedarf anpassen?
    Erlaubt die Anwendung auch Anpassungen an Einflüsse des Nutzungskontextes?
    Lässt sich auch der Inhalt der Software auf gezielten Bedarf der Anwender anpassen?
  • Fehlertoleranz
    Wie verhält sich die Software, wenn es zu systembedingten Problemen/Fehlern kommt?
    Was passiert, wenn der Nutzer einen Fehler macht, z. B. bei der Eingabe von Daten?
    Gibt die Anwendung hilfreiche Fehlermeldungen aus, die dazu dienen, das Problem zu lösen?
  • Erwartungskonformität
    Passt die Vorgehensweise innerhalb der Software zur tatsächlichen Arbeitsweise der Nutzer?
    Verhalten sich dem Nutzer bekannte Controls auch so, wie er es erwartet?
    Ist die Verwendung von Farben und Bildsprache passend zu Üblichem in diesem Kontext?

Auch wenn einige dieser Frage recht allgemein formuliert sind, hoffen wir dennoch damit Denkanstöße zu geben, wie man mit ein wenig Mühe und Blick aus den Augen des Nutzers Software echte Mehrwerte geben kann.

Wollen auch Sie ihrer Software dank guter Usability echte Mehrwerte geben? Wir unterstützen Sie gern beratend oder in Trainings! Einfach anrufen unter 0351-65615776 oder mailen an info@heires.net